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Das Flachdach wird zum Lebens- und Erlebnisraum. Ein Interview mit Mani Pentschew, Leiterin Planung- und Objektservice bei JACKON Insulation

30.10.2017 - Die Vorteile von begrünten Dächern als Ausgleichsmaßnahme für Flächenversiegelungen sowie für Emissions- und Klimaschutz sind unbestritten. Durch die Wahl des richtigen Flachdachsystems kann das Dach dem Nutzer eines Gebäudes allerdings ein weitaus größeres Potenzial bieten.

Mani Pentschew, Leiterin Planung- und Objektservice bei JACKON Insulation, erläutert, wie mithilfe des Umkehrdachprinzips aus einem Flachdach ein neuer Lebens- und Erlebnisraum entsteht, der gleichzeitig höchste Ansprüchen an die Energieeffizienz erfüllt.

Frau Pentschew, welche Nutzungsmöglichkeiten von Flachdächern bieten sich heute?

Die Möglichkeiten sind heute nahezu unbegrenzt – angefangen bei einer extensiven Begrünung über die Nutzung als Dachgarten mit Flächen für Spiel- und Sport oder sogar Poollandschaften bis hin zur Ausgestaltung als Parkraum. Für Metropolregionen sind Dachbegrünungen besonders sinnvoll, da sie zur Verbesserung des innerstädtischen Klimas und Schallschutzes beitragen. Öffentliche Bauwerke gehen dabei mit gutem Beispiel voran: Das Bürogebäude auf dem EUREF Campus 14 wurde beispielsweise mit einer Begrünung versehen. Somit bringt der Büro- und Wissenschaftscampus nicht nur innovative Ideen, sondern auch echte Blüten hervor.

Ist in einer Metropole wie Berlin die Dachbegrünung in der Breite überhaupt realisierbar?

Auf jeden Fall. Eine extensive Begrünung ist auf nahezu jedem Flachdach möglich und bei entsprechender Pflanzenwahl sehr pflegeleicht. Eine Umfrage des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung hat allerdings auch gezeigt, dass die Berliner gegenüber urbaner Landwirtschaft aufgeschlossen sind. 80 Prozent der Befragten würden Dachgärten und Dachfarmen dafür bevorzugen. Auf der Datenbasis einer Erhebung, die die solare Nutzbarkeit von Dachflächen untersucht hat, konnten rund 7.300 Flachdächer identifiziert werden, die sich auch für Urban Farming Projekte eignen würden. Welche Ausmaße das annehmen kann, zeigt ein Blick nach New York: Hier wurde in Brooklyn das Dach eines ehemaligen Armeegebäudes zur Ackerfläche umgestaltet, die nun pro Jahr rund 6.700 Kilogramm ökologisch angebautes Gemüse hervorbringt.

Wieso sollten sich Bauherren für eine solche Form der Dachnutzung entscheiden?

Eine intensive Dachnutzung schafft die Chance, das eigene Baugrundstück optimal auszunutzen. Daraus folgt, dass man den Bewohnern und Mietern des Gebäudes einen echten Mehrwert bieten kann. Das Dach wird zu einem neuen Lebens- und Erlebnisraum. So ist unter anderem der Genuss eines echten Gartens selbst in einer dicht besiedelten Metropolregion möglich – nur halt etwas weiter oben.

Wieso bietet sich für solche Nutzungen das Umkehrdach als Bauweise an?

Wir haben bei der Realisierung von Umkehrdächern eine sehr lange Erfahrung mit hoch belastbaren Dämmstoffen. Diese Belastbarkeit ist von großer Bedeutung, denn eine intensivere Nutzung bringt ein sehr viel höheres Gewicht mit sich. Zum Vergleich: Bei konventionell bekiesten und extensiv begrünten Flachdächern haben wir ein Gewicht von bis zu ca. 200 Kilogramm pro Quadratmeter. Wird das Dach intensiv begrünt und als Dachgarten genutzt, liegt die Belastung in der Regel um ein vielfaches höher und kann auf bis zu 3 Tonnen pro Quadratmeter steigen.

Neben der Statik des Gebäudes muss auch das im Dachaufbau verwendete Dämmmaterial dieser Belastung standhalten. Bei dem Dämmstoff XPS, wie er im Umkehrdach eingesetzt wird, ist dies durch die Dauerdruckfestigkeit bis maximal 25 Tonnen pro Quadratmeter gegeben. Sogar Belastungen durch parkende oder fahrende Pkws werden durch hoch druckfeste XPS-Platten dauerhaft aufgenommen. Hinzu kommen die weiteren bekannten Vorteile von Umkehrdachkonstruktionen, wie der Schutz der Dachabdichtung vor mechanischen Schäden und Temperaturschwankungen.

Bei Gebäuden stellen sich heute – gerade in Deutschland – sehr hohe Anforderungen an die Energieeffizienz. Sind diese im Umkehrdach zu erfüllen?

Die hohen energetischen Anforderungen lassen sich auf jeden Fall erfüllen. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 fordert für Flachdächer im Wohnungsbau einen maximalen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,20 W/(m²K). Sollen die KfW 55 oder KfW 40 Kriterien erfüllt werden, sinken die zugelassenen Grenzen des U-Werts sogar noch einmal auf 0,16 W/(m²K) beziehungsweise 0,10 W/(m²K). Diese Werte sind mit XPS ohne weiteres zu erreichen. Allerdings erfordern konventionelle XPS-Produkte dann eine entsprechende Dämmstoffdicke. Hier haben wir als Hersteller mit JACKODUR Plus eine praktikable Lösung entwickelt, um den Dachaufbau schlank zu halten.

Wie funktioniert das Zusammenspiel von Wärmeschutz und schlankem Dachaufbau mit JACKODUR Plus?

Wir haben bei JACKODUR Plus an der inneren Produktqualität gearbeitet und die Dämmleistung konsequent verbessert. Im Ergebnis bietet das Produkt nun den besten Lambda-Wert unter allen auf dem Markt erhältlichen XPS-Dämmungen. JACKODUR Plus hat eine um 25 Prozent bessere Dämmleistung als andere Produkte. Dadurch kann auch die Dämmstoffdicke geringer gewählt werden. Gerade bei der Umnutzung vorhandener Dachflächen ist dies von großem Vorteil. Hinzu kommt, dass die höhere Dämmleistung eine einlagige Verlegung der Dämmung erlaubt.

Wie groß ist die Einsparung bei der Dämmstoffdicke?

Um einen U-Wert von 0,14 W/(m²K) zu erzielen und somit die Vorgabe des KfW 55 Standards zu erfüllen, benötigen wir im begrünten Umkehrdach mit JACKODUR Plus eine Dämmstoffdicke von gerade einmal 220 Millimetern. Mit herkömmlichen Produkten sind für dieselbe Leistung 340 Millimeter Dämmstoff notwendig. Da wir dank des patentierten Multi-Layer-Verfahrens Dämmstoffplatten von bis zu 320 Millimetern herstellen können, ist mit JACKODUR Plus außerdem die einlagige Dämmung kein Problem. Die verringerte Dicke ist dabei nicht nur für die Konstruktion des Gebäudes, sondern auch für die gesamte Logistik beim Bau von Vorteil.

Inwiefern ergeben sich weitere Vorteile über die konstruktive Ebene hinaus?

Bleiben wir im Beispiel und gehen von einer Einsparung von 120 Millimetern Dämmstoffdicke aus, so werden bei einer 2.000 Quadratmeter großen Dachfläche 240 Kubikmeter weniger Dämmstoff eingebaut. Diese Menge entspricht drei LKW-Ladungen, die nicht zur Baustelle transportiert und dort verarbeitet werden. Das ist nicht nur Einsparung in Form von Material, sondern auch von Verarbeitungszeit und ist damit richtig Geld wert.

Wie stehen diese Vorteile im Zusammenhang mit dem nachhaltigen Bauen?

Zwischen der Materialeinsparung und der Nachhaltigkeit besteht ein großer Zusammenhang: Die geringere Dämmstoffdicke verlangt entsprechend weniger Energie bei der Herstellung. Das wirkt sich ebenso positiv auf die Vermeidung von CO2-Emissionen aus wie der verringerte Transportaufwand. Damit leistet JACKODUR Plus einen wichtigen Beitrag für den Bau energieeffizienter und nachhaltiger Gebäude.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

Bilder zur Meldung

  • Das Flachdach wird zum Lebens- und Erlebnisraum. Ein Interview mit Mani Pentschew, Leiterin Planung- und Objektservice bei JACKON Insulation
    Bild 1 / 1: Das Bürogebäude auf dem EUREF Campus 14 Berlin.

Ihr Ansprechpartner

Helena Platte
Marketing/Public Relations
+49 (0) 5204 99 55 330